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Gabriellas Welt

Gabriellas Welt

Es gibt Menschen, die reden nicht viel, die machen einfach. Definitiv gehört Gabriella zu diesen Menschen.
Manchmal muss man aber über das was man tut auch reden, denn sonst geht man kaputt und die Menschen außen fragen sich was macht die eigentlich?
Da Gabriella keine Zeit zum Reden hat und den ganzen Tag mit der Rettung von Hunden beschäftigt ist, übernehmen wir das nun für sie. 
Wir haben einen Tag genommen, der für viele Tierschützer der Horrortag überhaupt wäre, für Gabriella aber zum normalen Alltag gehört.
Wir nehmen den 14. Oktober 2009:


Ab 06.00 Uhr morgens heißt es aufstehen, unabhängig davon, ob Gabriella nachts noch irgendwo unterwegs war. Das Telefon klingelt den ganzen Tag. Es bleiben keine fünf Minuten mal zum Durchschnaufen. Nachdem in aller Eile gefrühstückt wird, was bei Gabriella zwei Zigaretten und ein Kaffee bedeuten, geht es los. Futter muss zu den Waldmenschen. Die Waldmenschen versorgen die Wildhunde im Wald. Die, die selbst am wenigsten haben, kümmern sich wenigstens noch um ihre Mitgeschöpfe. Und das ist gut so, denn wenn die Wildhunde nichts zu  fressen haben, dann kommen sie nach Budapest und dann landen sie früher oder später im Illatos und werden eingeschläfert, weil sie mit Sicherheit nicht vermittelbar sind. Es gibt noch kein Kastrationsprogramm in Ungarn, die Wildhunde sind aber dank Gabriella bereits kastriert, so dass wenigstens kein Nachwuchs mehr kommt. Deshalb braucht sie auch so dringend Futter, 800 kg im Monat, Monat für Monat. Auch die Hunde von Privatmenschen werden versorgt, die kein Geld haben, aber ihre Tiere nicht im Stich lassen wollen, auch hier fehlt es an vielem.
Nachdem mehrere Futterstellen versorgt sind, Anruf einer Tierschützerin, in der Tötung Dunavesce sitzen immer noch mehrere Hunde angekettet an Holzpflöcke ohne Hütte und frieren sich tot. Gabriella fährt also hin, noch mal , bereits am Vortag hat sie Bingo und Goliat rausgeholt, jetzt folgt Sponglebob. Erstmal zum Tierarzt, dann in die Quarantänen zu Gabor.
Mittag ist schon lange vorbei, für Essen keine Zeit, die Hunde in der Quarantänestation müssen gemeinsam mit Gabor trainiert werden.  Da ist Floh, die traumatisiert ist, und noch nicht an der Leine läuft. Sie soll erst nach Deutschland wenn sie das ein bisschen kann.
Da sind aber auch noch der ängstliche Parve und Fuga, die ebenfalls traumatisiert aus dem Illatos kam und Zumzum und Pepe und Apollo und und und. Jeder der Hunde dort braucht ein bisschen Zuwendung, alle haben sie die Erfahrungen aus der Tötung im Kopf.
Rosalie soll noch raus aus dem Illatos, deutsche Paten sind da, wie wird sie sich verhalten, auch sie fletscht, weil sie Angst hat.  Anruf bei  Dr. Kozma, Leiter vom Illatos, dass Rosalie morgen geholt wird.
Zwei Oldies sind im Illatos gelandet. Wird man jemanden finden? Gabriella schickt alles in die Schweiz an unsere Kontaktperson und Übersetzerin, die wiederum alles an Deutschland weiterleitet. Wir versuchen zu helfen, aber wir sind noch nicht bekannt genug. Vielleicht können wir aber über den Verteiler den einen oder anderen Platz finden. Noch sind die beiden nicht freigegeben.
Noch ein Besuch bei Tolvay, der seit dem Tod seines Bruders allein in einem Garten haust. Auch er braucht Futter, auch er braucht dringend einen Platz.
Inzwischen ist es bereits Abend, die Telefonanrufe werden abgearbeitet. Ein Notruf ist drauf, ein Hund wurde angefahren und liegt im Straßengraben. In einem ganz anderen Distrikt, eine halbe Stunde entfernt von Gabriella, aber keiner kümmert sich. Der Anruf bei der zuständigen Verwaltung ergibt folgende Antwort, man soll ihn liegenlassen, in zwei Tagen holen die Abdecker dann den Kadaver.
Aber der Hund lebt. Gabriella fährt also hin, sofort zum Tierarzt, aber nichts ist mehr zu retten, das Rückrat ist gebrochen, elendig wäre er zwei Tage lang gestorben. So kann er wenigstens in Frieden gehen und  muss nicht mehr leiden.
Rest in peace. Ein Bild finden Sie unter Realität.
Der Tag ist zu Ende, es ist fast Mitternacht. Aber leider ist für Gabriella noch keine Zeit um Schlafen zu gehen. Die HP muss noch aktualisiert werden, die Emails beantwortet, die eventuelle Rettungsliste für diese Woche muss noch auf die HP. Es ist zwischen 01.00 Uhr und 02.00 Uhr, wenn Gabriella schlafen geht. Wie sie das schafft, wir wissen es nicht. Aber die Frage bleibt:

Wollen Sie so einen Tag jemals erleben?

Zu all dieser emotionalen Belastung kommt noch der finanzielle Druck. Wir in Deutschland sind nicht vor Ort, uns reicht das was wir hören und sehen aus der Entfernung. Das einzige was wir tun können, ist zu helfen, den geretteten Hunden ein neues Zuhause zu verschaffen oder die Chance in einem deutschen Tierheim einen Platz zu bekommen
Und wir versuchen die finanzielle Lage ein bisschen zu entspannen.

Vielleicht möchten Sie uns ja dabei helfen?